Elektrik im Altbau erkennen
Viele Wohnungen und Häuser in der Region werden noch mit einer Installation betrieben, die für zwei Lampen und ein Radio gebaut wurde. Wir zeigen Ihnen, woran Sie den Zustand Ihrer Anlage ablesen und wann eine Sanierung wirklich ansteht.
Die wichtigsten Anzeichen in Kürze
Bei unseren Bestandsaufnahmen in Rendsburger Altbauten wiederholen sich dieselben fünf Befunde – sie lassen sich meist schon am Zählerschrank und an den Steckdosen ablesen.
Fünf Befunde, die für eine Prüfung sprechen
- Im Zählerschrank sitzen Drehsicherungen mit Porzellankopf statt Sicherungsautomaten zum Schalten.
- Es gibt keinen Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) – oder nur einen für die ganze Wohnung.
- Steckdosen ohne Schutzkontakt: zwei runde Löcher ohne die seitlichen Metallbügel.
- Pro Raum nur eine oder zwei Steckdosen, dazu Verteilerleisten und Verlängerungen als Dauerlösung.
- Schalter und Abdeckungen sind vergilbt, spröde oder gesprungen; Leitungen mit Stoff- oder Gummimantel.
Alter der Installation und typische Bauzeiten
Das Baujahr des Hauses sagt weniger aus als das Baujahr der Leitungen: Viele Anlagen wurden in den 1970er-Jahren einmal erweitert und seitdem nicht mehr angefasst.
-
Vor 1960: Stoffleitung und klassische Nullung
Leitungen mit Stoff- oder Gummiumhüllung, oft nur zwei Adern ohne Schutzleiter. Steckdosen ohne Schutzkontakt sind die Regel. Eine Anlage aus dieser Zeit entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und wird in der Regel vollständig erneuert.
-
1960 bis 1980: Drehsicherungen und wenig Reserve
Zählerschrank mit Schmelzsicherungen zum Herausdrehen, zwei bis vier Stromkreise für die ganze Wohnung, Fehlerstromschutz allenfalls im Bad. Hier lohnt oft eine Sanierung in Etappen: zuerst der Verteiler, danach Raum für Raum.
-
1980 bis 2000: Automaten, aber dünne Verteilung
Sicherungsautomaten sind vorhanden, der Schutzleiter meist auch. Typische Schwäche ist die Zahl der Stromkreise und Steckdosen – Küche und Arbeitsplatz sind für heutige Geräte zu knapp versorgt.
-
Ab 2000: meist tragfähig, oft erweiterbar
Fehlerstrom-Schutzschalter und ausreichende Stromkreise sind üblich. Statt einer Sanierung geht es hier meist um Erweiterungen: Wallbox, Photovoltaik, zusätzliche Kreise oder eine Prüfung des Bestands.
Anzeichen im Detail
Zwei Orte verraten den Zustand einer Anlage am schnellsten: der Zählerschrank im Flur oder Keller und die Steckdosen im Wohnbereich. Beides können Sie ohne Werkzeug ansehen.
Am Zählerschrank
- Drehsicherungen mit Porzellan- oder Keramikkopf, die Sie zum Ausschalten herausdrehen müssen – ein Hinweis auf eine Verteilung, die vor 1980 gebaut wurde.
- Kein Fehlerstrom-Schutzschalter: Fehlt der breite Schalter mit Prüftaste, schaltet bei einem Fehlerstrom über den Körper nichts ab.
- Nur zwei bis vier Stromkreise für die gesamte Wohnung – Herd, Waschmaschine und Wasserkocher hängen dann rechnerisch an derselben Leitung.
- Offene Klemmen, Holzbrett statt Verteilerkasten oder fehlende Abdeckungen: Spannungsführende Teile sind berührbar.
- Kein aktueller Stromlaufplan und keine Beschriftung der Sicherungen – bei einer Störung sucht man dann im Dunkeln.
- Keine Platzreserve im Verteiler: Erweiterungen für Wallbox oder Photovoltaik lassen sich nicht nachrüsten.
In den Räumen
- Zwei Steckdosen je Raum oder weniger, dazu dauerhaft eingesteckte Mehrfachleisten und Verlängerungen unter Teppichen.
- Steckdosen ohne Schutzkontakt, erkennbar an den fehlenden Metallbügeln oben und unten im Dosenrand.
- Spröde oder vergilbte Schalter, die beim Drücken knacken, wackeln oder deren Abdeckung gesprungen ist.
- Warme Steckdosen oder Schalter, braune Verfärbungen am Rand oder ein Brandgeruch nahe der Dose.
- Flackerndes Licht, wenn ein größeres Gerät anläuft – ein Hinweis auf überlastete oder zu lange Leitungen.
- Sicherung fällt wiederholt beim Einschalten desselben Geräts; wird sie dauerhaft überbrückt, ist das ein akutes Risiko.
- Kein Schutzleiter im Bad, obwohl dort Waschmaschine oder Heizlüfter betrieben werden.
- Lampenanschlüsse mit nur zwei Adern, häufig in Decken von Wohn- und Schlafräumen.
Die Sicherung schützt die Leitung, nicht Sie
Ein Schmelzeinsatz löst aus, wenn die Leitung zu heiß wird. Fließt der Strom dagegen über einen Menschen ab, bleibt er dafür zu klein. Diese Lücke schließt erst ein Fehlerstrom-Schutzschalter – deshalb beginnt eine Altbausanierung bei uns fast immer am Verteiler.
Sanierung ansehenAblauf
So prüfen wir den Bestand
Ob eine Altbauinstallation noch tragfähig ist, entscheidet sich nicht am Sicherungskasten allein. Wir arbeiten deshalb in vier Schritten: sehen, messen, schriftlich festhalten, erst danach sanieren.
Die Prüfung dauert in einer Wohnung meist eine bis drei Stunden, bei Mehrfamilienhäusern planen wir je Nutzungseinheit eigene Zeitfenster ein.

Wir öffnen Verteiler und einzelne Steckdosen und sehen nach, was tatsächlich verbaut ist: Leiterquerschnitte, Isolierung, Klemmstellen, Schmelzsicherungen statt Leitungsschutzschalter, fehlender Schutzleiter, klassische Nullung. Dabei notieren wir auch Nachinstallationen früherer Jahre, die oft die eigentliche Schwachstelle sind.

Mit dem Installationsprüfgerät messen wir Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und Durchgang des Schutzleiters und lösen vorhandene Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) kontrolliert aus. Die Messung zeigt, ob eine Leitung nur alt oder bereits elektrisch angegriffen ist – das ist der entscheidende Unterschied für die Kostenfrage.

Sie erhalten die Ergebnisse schriftlich, gegliedert nach Dringlichkeit: Mängel mit Gefahr im Verzug, Mängel mit Frist, empfohlene Modernisierung. So lässt sich eine Sanierung auch über mehrere Jahre und Mietwechsel verteilen, statt alles in einem Zug zu stemmen.

Wir sanieren meist strangweise: zuerst Zählerplatz und Hauptleitung, dann Stromkreise für Küche und Bad, danach Wohnräume. Pro Abschnitt bleibt der Strom in der Regel nur stundenweise aus, und die Wohnung ist am Abend wieder nutzbar.
Kosten
Wovon der Aufwand abhängt
Zwei Wohnungen gleicher Größe können sich im Sanierungsaufwand deutlich unterscheiden. Ausschlaggebend ist selten die Fläche, sondern der Zustand der Leitungswege. Diese Punkte sehen wir uns beim Aufmaß an, bevor wir ein Angebot schreiben.
- Leerrohre vorhanden: Lassen sich neue Leitungen einziehen, entfällt das Stemmen – der größte Einzelposten jeder Sanierung.
- Zustand des Zählerplatzes: Muss der Zählerschrank auf den heutigen Aufbau umgestellt werden, kommt die Anmeldung beim Netzbetreiber hinzu.
- Anzahl der Stromkreise: Ältere Wohnungen haben oft zwei bis vier Kreise; heute rechnen wir Küche, Bad und Arbeitsgeräte getrennt.
- Bewohnt oder leer: In leerstehenden Wohnungen arbeiten wir ohne Staubschutzwände und tägliches Aufräumen zügiger.
- Denkmalschutz und Stuck: Erhaltenswerte Oberflächen verlangen Aufputz-Lösungen oder Leitungsführung im Fußboden.
- Zugänglichkeit der Verteilung: Liegt die Unterverteilung im Flur statt hinter einem Einbauschrank, verkürzt das jeden späteren Eingriff.
- Vorbereitung durch Sie: Freier Zugang zu Wänden, Schränke abgerückt, Schlüssel für Keller und Dachboden – das spart messbar Arbeitszeit.
- Gewünschte Erweiterungen: Netzwerkdosen, Außensteckdosen oder eine Zuleitung für die Wallbox planen wir im selben Zug mit ein.
Unsicher, wie es um Ihre Elektrik steht?
Wir sehen uns Ihre Installation vor Ort an und erklären, was sie zeigt.


